
Du bist nicht schuld
Kurz zusammengefasst
- Schuldgefühle können sich anfühlen, als hättest du etwas falsch gemacht. Das stimmt aber nicht.
- Schwangerschaftsdiabetes entsteht durch Hormone der Plazenta, nicht durch das, was du gegessen oder nicht gegessen hast.
- Das Gefühl „Ich hätte es verhindern können“ ist menschlich, aber es entspricht nicht dem, was medizinisch passiert.
- Du darfst die Gefühle wahrnehmen und musst ihnen nicht glauben.
- Wenn sie bleiben, darfst du dir Unterstützung holen.
- Welche Gedanken dich gerade belasten
- Wo du dir Unterstützung wünschst
Nach der Diagnose hörst du vielleicht eine leise Stimme: „Was habe ich falsch gemacht?“ Vielleicht geht sie in Gedanken los, wenn du an den Kuchen von gestern denkst, an das Gewicht vor der Schwangerschaft oder an die Spaziergänge, die du ausgelassen hast. Du bist mit dieser Stimme nicht allein. Viele Frauen kennen sie.
Warum Schuldgefühle so schnell kommen
Wenn etwas Unerwartetes passiert, sucht unser Kopf nach einem Grund. Ein Grund fühlt sich leichter an als ein Zufall, denn mit einem Grund gäbe es etwas, das man hätte anders machen können. Bei Schwangerschaftsdiabetes ist das ein Trugschluss. Die Diagnose bringt starke Gefühle mit sich, darunter Sorgen, Angst und Schuld. Das ist normal und es sagt nichts über dich aus.
Was medizinisch wirklich passiert
Schwangerschaftsdiabetes entsteht, weil Hormone der Plazenta die Wirkung von Insulin abschwächen. Das gehört zur Schwangerschaft dazu. Bei manchen Frauen reicht die eigene Insulinproduktion dafür nicht aus. Es gibt Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, zum Beispiel Alter, Veranlagung in der Familie oder Gewicht. Das sind aber Wahrscheinlichkeiten und kein Verschulden. Viele Frauen haben keinen dieser Faktoren und bekommen die Diagnose trotzdem.
Quelle (Ursachen): diabinfo.de, „Gestationsdiabetes: Hintergrundinformationen für Fachkreise", https://www.diabinfo.de/fachkreise/grundlagen/gestationsdiabetes/hintergruende.html
Mehr dazu findest du im Wissensbeitrag „Warum entsteht Schwangerschaftsdiabetes?“.
Gefühl ist nicht gleich Tatsache
Das Gefühl „Ich hätte es verhindern können“ ist menschlich. Aber es ist ein Gefühl und keine Tatsache. Du darfst es bemerken, ohne ihm zu glauben. Wie bei einem Gedanken, der vorbeizieht: Er ist da und du musst ihm nicht folgen.
Was dir in diesem Moment helfen kann
- Sag dir leise: „Das ist ein Gefühl. Es sagt nichts über mich als Mutter.“
- Erzähl jemandem davon, der dich versteht, zum Beispiel deiner Hebamme oder einer Freund:in.
- Schreibe auf, was dich gerade belastet. Auf Papier sortieren sich Gedanken oft von allein.
- Richte den Blick auf das, was du jetzt tun kannst: Du kümmerst dich um dich und dein Baby. Das tust du bereits.
Wo Schuld sich gern versteckt
Schuldgefühle tauchen oft in kleinen Momenten auf: beim Blick auf den Kuchen im Schaufenster, beim Messen mit einem höheren Wert oder wenn jemand fragt, wie es dir geht. Dann meldet sich der Gedanke, du hättest es besser machen können. Manchmal kommt er auch ganz leise und ohne Anlass und setzt sich einfach neben dich. Du darfst ihn wahrnehmen und ihm freundlich sagen, dass du ihn gehört hast.
Was du dir sagen darfst
Du hast mit dem, was du wusstest, dein Bestes gegeben. Du hast dich auf dein Baby gefreut und für es gesorgt, schon bevor du von der Diagnose wusstest. Ein Wert auf dem Messgerät ist keine Bewertung deiner Person. Und wenn du dich schwach fühlst, ist das kein Grund, hart mit dir zu sein. Du darfst dir das sagen, was du einer guten Freund:in sagen würdest.
Schuld und Verantwortung sind zwei Dinge
Verantwortung heißt, dass du dich jetzt um dich und dein Baby kümmerst. Das tust du, indem du zu den Terminen gehst und deine Werte im Blick behältst. Schuld dagegen schaut zurück und sucht nach einem Fehler. Für das, was du nicht beeinflussen konntest, gibt es keine Schuld. Du darfst die beiden trennen und dich auf das richten, was dir gerade Kraft gibt.
Wenn die Gedanken bleiben
Wenn Schuldgefühle über Wochen sehr stark sind oder dich nachts wachhalten, darfst du dir Hilfe holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Selbstfürsorge. Mehr dazu findest du im Beitrag „Wann professionelle Hilfe hilft“.
Sprich bei allen Fragen und Unsicherheiten mit deiner Gynäkolog:in, Hebamme oder diabetologischen Praxis. Sie kennen deine persönliche Situation.