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Glukomama
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Frischer grüner Salat mit Gemüse auf einem Holztisch
Behandlung

Ernährung als erster Behandlungsschritt

4 Min. Lesezeit
Kurz zusammengefasst
  • Eine angepasste Ernährung ist bei den meisten Frauen der erste und wichtigste Behandlungsschritt, noch vor Medikamenten.
  • Es geht nicht ums Weglassen, sondern darum, Kohlenhydrate klug auszuwählen und zu verteilen. Sie bleiben ein wichtiger Teil deiner Ernährung.
  • Hilfreich sind drei nicht zu große Hauptmahlzeiten und zwei bis drei kleinere Zwischenmahlzeiten.
  • Viele Frauen reagieren morgens besonders empfindlich. Vollkorn mit Eiweiß zu kombinieren hilft oft, aber jede Frau reagiert anders.
Fragen für dein nächstes Gespräch
  • Kann ich eine Ernährungsberatung bekommen?
  • Wie viele Haupt- und Zwischenmahlzeiten passen für mich?

Nach der Diagnose fragen sich viele: Was darf ich noch essen? Die gute Nachricht vorweg: Du musst nicht auf alles verzichten, was dir schmeckt. Bei der Ernährung geht es um Menge, Verteilung und Kombination.

Warum Ernährung der erste Schritt ist

Bei den meisten Frauen reicht eine angepasste Ernährung zusammen mit etwas Bewegung aus, um den Blutzucker im Zielbereich zu halten. Erst wenn das nicht gelingt, kommt Insulin dazu. Das ist keine Strafe oder Niederlage, sondern ein Stufenplan. Eine Ernährungsberatung ist in der Regel Teil der ersten Termine in der diabetologischen Praxis.

Kohlenhydrate: nicht streichen, klug wählen

Kohlenhydrate sind der Hauptbaustein deiner Energie und auch wichtig für dein Baby. Deshalb werden sie nicht gestrichen. Wichtiger ist, welche du auswählst und wie du sie verteilst. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse lassen den Blutzucker langsamer ansteigen als Weißmehl, Saft oder Süßigkeiten. Als Orientierung für die praktische Umsetzung nennen Fachgesellschaften zum Beispiel die Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung oder die Mittelmeerküche.

Jule, Gründerin von GlukomamaBei mir haben teilweise gesunde Lebensmittel meinen Blutzucker höher ansteigen lassen als vermeintlich ungesunde. Ein Snack vom Bäcker, der bei mir gut funktioniert hat, war ausgerechnet das Croissant 😂

Mahlzeiten verteilen

Um Blutzuckerspitzen zu vermeiden, empfehlen Fachleute, die Kohlenhydrate über den Tag zu verteilen: auf drei nicht allzu üppige Hauptmahlzeiten und zwei bis drei kleinere Zwischenmahlzeiten, dazu bei Bedarf eine kleine Spätmahlzeit.

Wenn dein Körper längere Zeit keine Kohlenhydrate bekommt, zum Beispiel über Nacht, holt er sich Energie aus Fett. Dabei entstehen Ketonkörper. In der Schwangerschaft passiert das schneller als sonst, weil dein Körper auch das Baby mitversorgt. Manche Praxen lassen dich deshalb morgens vor dem Frühstück mit einem Teststreifen im Urin nachsehen. Wenn sich viele Ketonkörper zeigen, kann eine kleine Spätmahlzeit am Abend helfen, zum Beispiel etwas mit Eiweiß und wenigen Kohlenhydraten. Ob das bei dir nötig ist, entscheidet deine diabetologische Praxis. Iss nicht von dir aus mehr, nur weil du Angst vor Ketonkörpern hast. Für Frauen, die abends nichts essen wollen oder müssen, ist das in Ordnung.

Das Frühstück: oft die Knobelaufgabe

Viele Frauen reagieren morgens besonders empfindlich auf Kohlenhydrate. Wenn dein Wert nach dem Frühstück zu hoch ist, kann es helfen, dort weniger Kohlenhydrate zu essen als zu Mittag oder abends. Vollkornprodukte kombinierst du am besten mit Eiweiß, zum Beispiel mit Quark, Ei oder Käse.

Quelle (Ernährung): AWMF-S3-Leitlinie „Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge", Registernummer 057-008, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/057-008

Wie du deine Mahlzeiten aufteilen kannst

Eine feste Formel gibt es nicht, aber eine Orientierung: Gemüse oder Salat nimmt einen großen Teil des Tellers ein. Dazu kommt eine Portion Eiweiß, etwa Fisch, Fleisch, Ei, Hülsenfrüchte, Quark oder Tofu. Die Kohlenhydrate bleiben dabei ein fester Bestandteil, am besten als Vollkorn, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte. Gesunde Fette, zum Beispiel aus Nüssen oder Olivenöl, machen länger satt. Wann du isst, in welcher Reihenfolge du isst und wie viel du auf einmal isst, kann sich auf deine Werte auswirken. Auch hier gilt: Dein Messgerät zeigt dir, was bei dir wirkt. Am Ende ist es ein Ausprobieren. Das kann sich auch im Verlauf der Schwangerschaft ändern.

Getränke und Süßes

Zuckerhaltige Getränke wie Saft, Limonade oder Smoothies lassen den Blutzucker oft schnell ansteigen. Wasser, ungesüßter Tee oder Schorle mit viel Wasser sind meist die einfachere Wahl. Süßes ist damit nicht verboten. Viele Frauen finden ihren Weg, indem sie eine kleine Portion nach einer Mahlzeit essen und dann spazieren gehen, statt es auf nüchternen Magen zu tun. Ein Verbot macht den Heißhunger meist nur größer.

Jule, Gründerin von GlukomamaIch habe einen Ernährungskurs mit klassischen Empfehlungen gemacht, der hat bei mir nicht funktioniert. Vieles, was allgemein als „gesund" gilt, hat meinen Blutzucker trotzdem hochgetrieben. Am Ende musste ich meinen eigenen Weg finden. Abends nach dem Abendessen konnte ich aber auch Schokolade essen.

Wenn Essen zum Stress wird

Nach der Diagnose kann Essen plötzlich mit Angst verbunden sein. Manche Frauen zählen jede Kleinigkeit, andere lassen aus Sorge ganze Mahlzeiten aus. Das ist nicht gut für dich und dein Baby. Regelmäßig und ausreichend zu essen ist wichtiger als perfekte Blutzuckerwerte. Wenn dich das Thema sehr beschäftigt, sprich es in deiner Praxis an. Dort kann eine Ernährungsberatung helfen, dir wieder mehr Ruhe und Freude am Essen zu geben.

Dein eigener Weg

Allgemeine Empfehlungen sind ein Ausgangspunkt, kein Gesetz. Ob Haferflocken, Obst oder Kartoffeln bei dir gut funktionieren, zeigt am Ende dein Messgerät. Probiere aus, notiere Mahlzeit und Wert und besprich die Muster mit deiner Praxis. Auf unserer Seite findest du auch ein paar Rezeptideen als Anregung.

Sprich bei allen Fragen und Unsicherheiten mit deiner Gynäkolog:in, Hebamme oder diabetologischen Praxis. Sie kennen deine persönliche Situation.