
Blutzucker messen: Wie, wann und warum
Kurz zusammengefasst
- Messen dient der Orientierung. Damit wirst nicht du als Person bewertet. Es zeigt dir und deiner diabetologischen Praxis, wie dein Körper auf Mahlzeiten reagiert.
- Üblich sind Messungen nüchtern am Morgen und nach den Hauptmahlzeiten. Wie oft genau, legt deine diabetologische Praxis mit dir fest.
- Die üblichen Zielwerte sind nüchtern unter 95 mg/dl, eine Stunde nach dem Essen unter 140 mg/dl und zwei Stunden nach dem Essen unter 120 mg/dl.
- Ein einzelner höherer Wert ist kein Grund zur Panik. Entscheidend ist der Trend über mehrere Tage.
- Sensoren (CGM) können das Messen erleichtern. Ob deine Krankenkasse zahlt, klärst du vorab, oder deine diabetologische Praxis übernimmt das für dich.
- Wie oft und wann soll ich messen?
- Welche Zielwerte gelten für mich?
- Kommt bei mir ein Sensor in Frage und wer klärt die Kostenübernahme?
Das Messen ist für viele Frauen die größte Umstellung nach der Diagnose. Hier erfährst du, wozu das gut ist, wann du misst und was die Werte bedeuten.
Wozu du misst
Dein Blutzucker verändert sich im Laufe des Tages. Mit der Messung siehst du, wie dein Körper auf bestimmte Mahlzeiten reagiert. Es sind Informationen, mit denen du und deine Praxis die Ernährung und bei Bedarf die Behandlung anpassen können. Die regelmäßige Messung und ein Tagebuch dazu sind die Grundlage für eine gute Einstellung in der Schwangerschaft.
Wann du misst
Üblich ist die Messung nüchtern am Morgen, vor dem Essen. Dazu kommen Messungen nach den Hauptmahlzeiten, meist eine Stunde nach Beginn der Mahlzeit, je nach Praxis auch zwei Stunden danach. Wie oft und wann genau du misst, legt deine diabetologische Praxis gemeinsam mit dir fest. Das kann sich im Verlauf der Schwangerschaft ändern.
Die Zielwerte
Diese Zielwerte werden in Deutschland meist empfohlen:
- nüchtern und vor dem Essen: unter 95 mg/dl
- eine Stunde nach Beginn der Mahlzeit: unter 140 mg/dl
- zwei Stunden nach Beginn der Mahlzeit: unter 120 mg/dl
Diese Zahlen sind Richtwerte. Deine Praxis kann für dich andere Ziele festlegen. Ein einzelner höherer Wert ist kein Grund zur Panik. Er kann an der Mahlzeit, an Stress oder an Schlafmangel liegen. Entscheidend ist, wie sich die Werte über mehrere Tage entwickeln. Das besprecht ihr gemeinsam.
Quelle (Zielwerte und Messung): AWMF-S3-Leitlinie „Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge", Registernummer 057-008, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/057-008
Fingerstich oder Sensor
Neben dem klassischen Fingerstich gibt es kontinuierliche Glukosemessgeräte (CGM). Ein kleiner Sensor am Oberarm oder Bauch misst dauerhaft und zeigt die Werte auf dem Smartphone oder Lesegerät. Das kann das Messen angenehmer machen. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt vom Einzelfall ab. Mehr dazu findest du im Beitrag Kosten und Kostenübernahme. Frag vor der Entscheidung bei deiner Krankenkasse nach.
Was die Zahlen nicht sagen
Eine Zahl auf dem Display ist eine Momentaufnahme. Sie sagt nichts über deine Leistung als Schwangere und auch nichts darüber, ob du dich gut genug kümmerst. Werte schwanken mit dem Schlaf, mit Stress, mit der Tageszeit und mit der Schwangerschaftswoche. Wenn ein Wert über dem Ziel liegt, lohnt sich zuerst die Frage: Was war anders? Das ist hilfreicher als die Frage: Was habe ich falsch gemacht?
Tipps für den Alltag
- Wasche die Hände vor dem Messen, Zuckerreste von Obst verfälschen den Wert.
- Wechsle die Einstichstelle an den Fingern, so schonst du die Haut.
- Schreibe die Werte direkt auf, am besten mit der Mahlzeit dazu. So erkennt ihr Muster.
- Wenn ein Wert unerwartet hoch ist, miss ruhig noch einmal nach, bevor du dir Sorgen machst.
Sprich bei allen Fragen und Unsicherheiten mit deiner Gynäkolog:in, Hebamme oder diabetologischen Praxis. Sie kennen deine persönliche Situation.